Und vielleicht auch noch andere.

Alltägliches

Bestandsaufnahme

3 Monate, 9 Tage und 1 Stunde 45 Minuten weile ich jetzt schon wieder im Land des Butterbrotes.

Den großen „Heimkehr-Kulturschock“ gab es zwar nicht, aber ein paar Dinge sind mir dennoch aufgefallen.

  1. Ich habe ein Salami-Sucht entwickelt. Das Wort „Sucht“ ist hier wirklich nicht übertrieben, denn ich esse ungelogen jeden Tag mindestens ein Stückchen bzw. eine Scheibe Salami. Wie konnte ich früher nur ohne Salami überleben?
  2. Meine Geduldsfaden hat sich quasi ins Unendliche verlängert. Definitiv eine Verbesserung zu früher. Blieb mir aber wohl auch nichts anderes übrig.
  3. Mein Chinesisch hat sich verbessert [hier bitte lautes Lachen einfügen].
  4. Mehr fällt mir jetzt grad nicht ein. War ja auch nie die Rede davon, dass „ein paar Dinge“ „viele Dinge“ bedeuten.

Ich koche mir jetzt mal einen Tee und hoffe, dass der die temporäre Herbstdepression vertreibt, die sich heute klammheimlich bei mir eingeschlichen hat.

Wobei die auch vom den ganzen Tag Damien Rice hören kommen könnte…

 

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Falsch gedacht

Genau eine Woche bin ich nun wieder zu Hause.

Und eigentlich hätte ich ja gedacht, dass ich so eine Art „Heimkehr-Kulturschock“ haben würde. Dieser ist bis jetzt nicht eingetreten. Es ist fast so, als wäre ich nie weggewesen.

Schade, irgendwie. Oder nicht?


Kleiner Lacher am Mittwochmorgen

Vor ein paar Tagen wurde anlässlich der WM folgendes in der Zeitung abgedruckt:

Spieltechniken einiger Länder

*hihi*


看电影吧!

Ich bin ja eher der musikaffine Typ. Wenn andere erzählen, wie oft sie DVDs schauen oder ins Kino gehen, dann erzähle ich meist, wieviele Stunden ich Musik höre und welche geniale Liedzeile mir neulich wieder aufgefallen ist.

Seit ich hier bin habe ich jedoch so viele Filme gesehen wie glaube ich in meinem ganzen Leben vorher nicht*.

Und da Ranglisten von was auch immer als Blogeintrag ja immer gehen, kommt hier jetzt mal meine persönliche

Rangliste der besten Filme, die ich hier bisher gesehen habe.

(mehr …)


Halbzeit

Nun ist es soweit: etwas über die Hälfte meiner Zeit hier ist vorbei. Ich ziehe mal ein kurzes Zwischenfazit:

Ich habe hier gelernt,…
…dass man den Winter in Nordchina in langen Unterhosen und drei Lagen Kleidung verbringt.
…was „Schlüsseldienst“ auf Chinesisch bedeutet.
…dass das deutsche Sprichwort „Harte Schale, weicher Kern“ auf Chinesisch „Messer[scharfer] Mund, tofu[weiches] Herz“ bedeutet.
…dass deutsche Butter viel besser schmeckt.
…dass man im Winter in Nordchina immer heißes Wasser oder Tee dabei haben sollte.
…dass die Partei entscheidet, wann die Heizungen an- und auch wieder ausgeschaltet werden.
…dass das Leben mit einem bisschen mehr Geduld viel leichter geht. Niemand, der nicht gerade mit Wehen oder einer schweren Verletzung auf dem Weg zum Krankenhaus ist, hat es wirklich eilig.
…dass Töpfe tatsächlich auch mal Löcher haben können.
…dass es in meinem Wohhaus tatsächlich noch Leute gibt, die meine Nationalität noch nicht kennen.
…dass ich den Chinesen langsam mal glauben kann, wenn sie mich für mein gutes Chinesisch loben.
…dass es in Städten am Meer durch den Wind a****kalt werden und einem dann bei einem Spaziergang am Meer ohne Mütze auch schon mal das Gehirn einfrieren kann.
…dass man alle 10 Staffeln von Friends auch für umgerechnet 9,60 € bekommen kann.
…dass Schüsseln unterm Waschbecken auch als Klospülung dienen können.
…dass man manchmal einfach nicht so anspruchsvoll sein sollte.

Teil 2 gibt’s dann in 6 Monaten.


Warum ich gestern mit Wassereimern und heute mit nassen Haaren und Duschzeug über die Straße gelaufen bin

Das Leben hier hält wirklich immer wieder neue Überasschungen bereit. Nach der Blog-Session bei Kerzenlicht gibt’s seit gestern kein Wasser.

Der Grund dafür ist wohl eine kaputte Pumpe im Keller des Hauses. Ich bin ja der Überzeugung, dass die Bauarbeiter, die hier schon seit Wochen täglich von acht Uhr morgens bis abends um sechs Lärm machen, etwas zu euphorisch an’s Werk gegangen sind und dabei aus Versehen was kaputt gemacht haben.

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Verfolgungswahn

Wer kennt sie nicht: die Leute, die immer in Fußgängerzonen auf der Straße stehen und einem irgendwas andrehen wollen.
Die Leute gibt’s hier auch. Meistens wollen die einem immer nur nen Zettel mit den neuesten Angeboten von Carrefour oder Wal-Mart in die Hand drücken.
Da lauf‘ ich dann immer mit einem Kopfschütteln und einem „不想,谢谢 bùxiǎng,xièxie“* vorbei.

Es gibt allerdings eine junge Frau, bei der weiß ich bis heute nicht, aus welchem Grund sie auf der Straße immer Passanten anspricht. Sie hat keine Zettel, kein Klemmbrett, auf dem sie Umfrageergebnisse notieren könnte und mit der Spendenbüchse klappern tut sie auch nicht.
Das alles würde mich ja eigentlich kalt lassen. Wenn, ja wenn, sie nicht immer genau da auftauchen würde, wo ich langggehe!
Gehe ich im Wal-Mart einkaufen, steht sie da und spricht mich an. Gehe ich zur Schule, begegne ich ihr auf meinem Weg und sie spricht mich an. Ich seh‘ die pro Woche sicherlich 4 Mal.
Mittlerweile glaube ich ja, dass sie sich meinen Tages- bzw. Wochenablauf notiert und auswendig gelernt hat, damit sie mich immer da überraschen kann, wo ich langgehe. Unheimlich.

Vielleicht würde es helfen, wenn ich sie mal ausreden lassen würde**. Vielleicht. Aber irgendwie sieht sie komisch aus. Verrückt, irgendwie.
Oder vielleicht ist sie drogenabhängig und will Geld für Drogen von mir haben? Aber nicht mit mir!

Und eigentlich möchte ich auch gar nicht rausfinden, was sie eigentlich von mir (und den anderen Passanten) will. Ich möchte ihr nur nicht mehr begegnen.

*Nein, vielen Dank.
** Nach „Guten Tag, schöne junge Frau…!“ würg‘ ich sie immer mit einem Kopfschütteln ab und gehe schnellen Schrittes weiter