Und vielleicht auch noch andere.

Bummm!!!

Gefolgt vom Sirenengeheul der Autoalarmanlagen, daraus besteht hier seit drei Tagen die Geräuschkulisse. Und das kann nur eines bedeuten:
Es ist bald Frühlingsfest!
Übermorgen, um genau zu sein.
Für alle, die sich jetzt fragen, was man denn beim Frühlingsfest so macht* und warum man das überhaupt feiert, gibt’s hier mal eine (stellenweise etwas ausgeschmückte) Hintergrundgeschichte:

Irgendwo in China auf einem ganz ganz hohen Berg lebt ein Monster. Es trägt den Namen „年兽“, Jahresmonster. Warum es da oben lebt? Vielleicht wegen der Aussicht. Die ist bestimmt super.
Das Jahresmonster lebt da oben also das ganze Jahr so vor sich hin, ohne Fernsehen und Internet. Und lesen kann es glaube ich auch nicht, also auch ohne Bücher.
Einmal im Jahr aber, immer so zwischen Februar und März, bekommt es Hunger. Sehr großen Hunger. Monsterhunger. Dann macht es sich auf den Weg in die Stadt, wo die Menschen leben. Denn auch wenn es nicht sonderlich belesen ist, weiß es, dass da, wo Menschen sind, auch Essen ist. Da die Menschen das Jahresmonster aber nicht sonderlich mögen**, läuft es meist darauf hinaus, dass das Monster ein paar Menschen frisst.
Das wiederum finden die Menschen ganz und gar nicht gut, und so mussten sie sich was einfallen lassen.
Bald fanden sie heraus, dass das Monster kein rot mag. Liegt wahrscheinlich daran, dass auf dem hohen Berg, auf dem es lebt, solche Dinge wie Klatschmohn oder rote Rosen eher selten sind. Daraufhin begannen die Menschen dann, sich um diese Zeit bevorzug rote Kleidung anzuziehen. Das half eine Weile, aber irgendwann machte das Monster einfach die Augen zu, und aus war’s mit dem tollen Abwehrmechanismus!
Irgendwann um 250 vor Christus erfand dann allerdings ein kluger Chinese das Schießpulver und bald darauf waren auch die Kracher und Böller geboren.
Diese erwiesen sich als wesentlich effektiver als rote Kleidung, da das Monster vor dem lauten Krachen und den Funken Angst hatte. Die Ohren zuhalten konnte es sich nämlich nicht, da es nur 4 Füße aber keine Hände hatte.

Und von diesem Tag an ließen es die Menschen immer um diese Zeit ordentlich krachen und feierten, dass sie das Monster wieder einmal für ein Jahr nach oben auf den hohen Berg vertrieben hatten.
Das Tragen roter Kleidung behielten sie jedoch bei, da rot in China seit jeher als Glücksfarbe gilt. Man muss das Schicksal ja nicht unnötig herausfordern.
Allerdings macht bloßes Rumsitzen in roter Kleidung auf die Dauer auch nicht so viel Spaß. Etwas Essbares musste also her. Bald kam irgendwer auf die Idee, man könnte doch Fleisch und Gemüse in einen Mantel aus Teig hüllen und diese kleinen Täschen dann kochen oder dämpfen. Dass dies eine gute Idee war fanden auch die anderen, denen er davon berichtete. Dies war die Geburstsstunde der 饺子 Jiaozi.

Und so isst man heute zum Frühlingsfest traditionell Jiaozi, trägt rote Kleidung, hängt sich Frühlingswandsprüche (春联) an die Tür und knallt, was das Zeug hält.

*außer Sprensätze mittlerer Detonationsstärke zu zünden
** „Chinas Next Supermonster“ würde es garantiert nicht gewinnen

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4 Antworten

  1. Gibt es auch deswegen diese Gebäude mit Löchern drin? Also an sonem Berg stand mal ein Hochhaus, das hatte in der Mitte ein Loch. Ich mein das war dazu da, damit der Berggeist oder so noch da durch kommt…

    15. Februar 2010 um 21:28

    • Ich muss ja zugeben, dass ich noch nie so ein Haus gesehen geschweige denn davon gehört habe. Aber ich kann mir schon sehr gut vorstellen, dass das deswegen in der Mitte ein Loch hat. Ich würde auch nicht wollen, dass dieses Monster, während es durch mein Wohnzimmer rennt, meine halbe Familie frisst.

      15. Februar 2010 um 21:35

      • Haha das will wohl niemand ^^
        War in Hong Kong, das Haus. Gibt sogar Bilder bei Google, wie ich grad sehe.

        15. Februar 2010 um 23:16

        • Sieht schon irgendwie lustig aus, dieses Haus. Ob man da dann anteilig weniger Baukosten zahlen muss, weil ja weniger Material verwendet wird? Wenn ja: super Tipp zum Kosten sparen.

          16. Februar 2010 um 16:13

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