Und vielleicht auch noch andere.

„Setzen! Eins!“

Lehren und Lernen ist in China anders. Die Schüler der Mittelschule, die gegenüber von meinem Wohnhaus liegt, sitzen jeden Tag von morgens sieben (glaube ich; so früh bin ich selten wach) bis abends sieben in der Schule. Sonntags haben die Kinder „frei“.
Dann kommen sie zum Beispiel in die Meijia-Schule um Sprachen zu lernen. Denn nur wer besser als gut ist, kann aus einer Masse von 1,3 Milliarden herausstechen.
Und herausstechen möchten sie alle irgendwie, weshalb sie zwangsläufig alle sehr fleißig sein müssen. Ganz im Gegensatz zu mir, die hier wirklich einen sehr lockeren Stundenplan hat.

stundenplan

Wie, ihr könnt das nicht lesen? Na gut, ich übersetze mal.

Ich gebe montags und mittwochs von 10.00 Uhr bis 11.30 Uhr Englischunterricht. Mein Schüler ist 20 Jahre alt und möchte sein Englisch verbessern, da er (wie so viele) im Ausland studieren will und dafür einen Sprachtest bestehen muss. Ich übe sowohl mit ihm als auch mit meinen anderen Schülern meist nur Aussprache, umgangssprachliche Ausdrücke, freies Schreiben und Sprechen ect. Das Erklären der Grammatik übernehmen die chinesischen Lehrer. Finde ich eine gute Einteilung.
Dieses Wochenende (am Sonntag ist in der Schule am meisten los) hat ein neuer Deutschkurs für Erwachsene begonnen. Von diesem übernehme ich die Hälfte der Stunden, dienstags und donnerstags von 17.00 Uhr bis 19.30 Uhr und sonntags von 17.00 Uhr bis 19.00 Uhr.

Samstags von 10.00 Uhr bis 11.30 Uhr unterrichte ich einen 7-jährigen Jungen in Deutsch. Dieses Kind ist, um es mal im südbadischen Dialekt auszudrücken, ein Käpsele. Ich sage ihm einen Satz und er kann ihn sich fast sofort merken und auch mit erstaunlich wenig Akzent nachsprechen. Außer Deutsch lernt er noch Englisch und Französisch.
Ich muss ich hier noch einmal betonen, dass er das neben der Schule macht. Unter der Woche geht ganz normal zur Schule. Allerdings haben die Erstklässler glaube ich nur bis 15.00 Uhr oder 16.00 Uhr Schule. Reicht für so kleine Kinder aber auch.

So, nun kommen wir zum Sonntag. Der ist ziemlich vollgepackt, aus oben erwähntem Grund.
Morgens von 10.00 Uhr bis 11.30 Uhr gebe ich einer Familie Deutschunterricht. Wenn ich die Schulleiterin richtig verstanden habe, ziehen die in absehbarer Zeit für einen längeren Zeitraum nach Deutschland und wollen dann nicht so ganz ohne Sprachkenntnisse dastehen. Ich werde die Familie aber nochmal fragen.
Die sind alle vier sehr nett und – wie sollte es anders sein – sehr fleißig. Sollte ich mir mal eine Scheibe davon abschneiden.
Von 14.00 Uhr bis 15.30 Uhr und von 15.30 Uhr bis 17.00 Uhr gebe ich Einzelunterricht in Englisch. Diese beiden Schüler habe ich allerdings noch nicht gesehen, da ich erst gestern meinen neuen Plan bekommen habe. Was ich hier jetzt schreibe, kann sich nächste Woche nämlich auch alles schon wieder geändert haben. Aber ich bin ja flexibel.

Nun noch ein bisschen zur Unterrichtsmethode. Hier wird eigentlich nur Frontalunterricht gemacht. Vor allem die kleinen Kinder lässt man meist irgendwas nachsprechen und danach auswendig lernen. Ich bin ganz und gar kein Freund von dieser Methode, da ich finde, die Schüler haben davon nicht so viel.
Daher lasse ich persönlich meist Übungen machen, selbst was schreiben oder Dialoge bilden.
Ich habe nämlich schon viele Chinesen kennen gelernt, die zwar mit Sicherheit alle Grammatikbücher auswendig können, aber beim freien Sprechen stottern wie in ihrer ersten Englischstunde. Sprachen sind zum Sprechen da und genau das übe ich.

Das war jetzt mal ein kleiner Einblick in meinen Unterrichtsalltag. Ich hoffe, damit sind alle Fragen diesbezüglich beantwortet. 🙂

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